markierter Baum, Siegel

Papiersiegel | Achtung Urwaldholz

Zertifiziertes Papier ist nicht unbedingt umweltfreundlich. Statt auf Papiersiegel solltest du auf Wiederverwendung setzen.

Wenn es um umweltfreundliches Papier geht, denken viele Menschen, dass es ausreicht, auf ein Papier mit Siegel zurückzugreifen. Mittlerweile gibt es einige, das bekannteste bleibt aber wohl das FSC-Logo. Doch wusstest du, dass auch Holz aus dem Urwald FSC-zertifiziert sein kann?

Warum eigentlich Siegel?

Siegel können dir einen Einblick in Herkunft und Verarbeitung von Holz und Papieren geben. Im Bereich Holz gibt es beispielsweise das Rainforest Alliance Certified oder das PEFC. Beide werden aber von Umweltschutzorganisationen als unzureichend angesehen, da unabhängige Kontrollen zum Waldschutz fehlen.1 Bei grafischen Papieren findet sich häufig eines der FSC-Siegel. 

FSC

Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine Mitgliedschaftsorganisation, das heißt, sowohl Umweltverbände und andere Organisationen (beispielsweise zum Schutz indigener Völker) als auch Beauftragte der Holzindustrie und Forstwirtschaft sitzen an einem Tisch und haben die gleichen Stimmrechte. Der FSC hat sich auf weltweit einzuhaltende Prinzipien verständigt, die dann national in unterschiedlichen Standards umgesetzt werden. Zu den Prinzipien zählen: Die Einhaltung nationaler Gesetze und internationaler Abkommen, die Anerkennung indigener Gruppen und deren Besitz, die Achtung der Arbeitnehmerrechte und die Unversehrtheit von Wäldern mit hohem Schutzwert. Die Bewirtschaftung von Plantagen wird nicht ausgeschlossen, um den globalen Papierbedarf besser decken zu können.2

Das FSC-Logo bedeutet im Groben, dass das verwendete Holz aus “zertifizierter Waldwirtschaft” kommt. FSC-zertifizierte Unternehmen können dann das Logo auf ihre Produkte drucken.

Der FSC vergibt drei Siegel: das Recycling-, Mix- und das 100%-Label. Das Recycling-Label wird für Produkte aus Recyclingmaterial vergeben, das 100%-Label zeichnet Produkte aus, deren Material zu 100 Prozent aus FSC-zertifizierten Wäldern stammt. Das Mix-Label wird vergeben, wenn 70 Prozent der Materialien aus FSC-zertifizierten Wäldern und 30 Prozent aus sogenannten “kontrollierten Quellen” stammen.3

Kritik

Greenpeace, bis vor kurzem wie der WWF Mitglied beim FSC, kritisiert vor allem das FSC-Mix Logo, das häufig bei Büchern eingesetzt wird. Der Standard der “kontrollierten Quellen” sei zu niedrig und werde von Unternehmen als Marketingstrategie genutzt.4

Des Weiteren sieht Greenpeace Probleme in der Vergabepraxis- also welche Wälder durch den FSC zertifiziert werden. Viel Kritik erntete der FSC für die Zertifizierung von Wäldern im Kongo-Becken.5 Der Regenwald im Kongo ist der zweitgrößte Regenwald der Welt und die artenreichste Region in Afrika.6 40 Millionen Menschen sind abhängig von Nahrung, Medizin und Energie aus dem Wald.7 Laut Greenpeace besteht die Gefahr, dass der Kongo 40 Prozent der Wälder verlieren wird.8

Greenpeace International hat nun die Konsequenzen gezogen und seine Mitgliedschaft beim FSC 2018 beendet. Als Gründe nennt die Organisation vor allem die erwähnte Abholzung von FSC-zertifizierten Urwäldern, beispielsweise in Russland und im Kongobecken.9

Desweiteren empfiehlt sie, wenn kein Recyclingmaterial vorhanden ist, Waren von FSC-Betrieben aus Deutschland zu kaufen.10 Doch was ist der Unterschied zwischen den lokalen und den internationalen FSC-Betrieben? In Deutschland haben wir keinen Urwald mehr, der abgeholzt werden könnte. Außerdem werden die FSC-Bestimmungen lokal umgesetzt, und in vielen Regionen scheint die Kontrolle über die Einhaltung der Bestimmungen schwierig.

Dies deckt auch die Doku “Die Story im Ersten: Die Ausbeutung der Urwälder”11 vom Februar 2019 auf: In Peru habe es etwa gefälschte FSC-Nachweispapiere gegeben, mit denen illegal gefällte Bäume verkauft wurden. Auch die Umsetzung der Bestimmungen wird in der Doku angezweifelt: Beispielsweise das “selektive Fällen”, bei dem in einem festgelegten Areal nur eine bestimmte Anzahl von Bäumen gefällt werden darf. Dies habe keinen Schutzeffekt, da für den Abtransport der Bäume trotzdem weitläufige Straßen in den Wald geschlagen werden müssen. Hinzu kommt, dass die Bestimmungen des FSC insgesamt ökologisch gesehen keinen Einfluss auf die Wälder haben: Die Zertifizierung ändere nichts an der Waldnutzung, verhindere beispielsweise keine Kahlschläge. Dies fanden Wissenschaftler:innen im Auftrag des WWF heraus.12

Abgesehen von den Schwierigkeiten bei der Kontrolle über die Rodungen sollte bedacht werden, dass die FSC-Siegel keine Auskunft über die Papierherstellung geben. Lediglich das FSC-Recycling-Siegel garantiert 100 Prozent Recyclingpapier, dessen Herstellung so oder so umweltfreundlicher ist als die von Frischfaserpapier. 

Die tatsächlichen Herstellungsbedingungen bildet nur der Blaue Engel ab. Dieses Siegel berücksichtigt Auswirkungen auf Klima, Ressourcen, Wasser, Boden, Luft und Menschen.13 Dass der Blaue Engel als Siegel im Vergleich mit dem FSC besser zu bewerten ist, liegt hauptsächlich daran, dass er für Recyclingpapiere vorgesehen ist. Hier erfährst du mehr über Recyclingpapier und den Blauen Engel.

Statt Frischfaserpapier von jahrhundertealten Bäumen gibt es tolle, innovative Papieralternativen, die aus lokalen Pflanzen gefertigt werden.

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Bildnachweis: Photo by Fonsi Fernández on Unsplash

Anmerkung zu Fußnote 11: Der FSC hat eine Gegendarstellung zu den Vorwürfen veröffentlicht. Diese ist hier zu finden.

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