gestapeltes Holz im Wald

Papieralternativen | Statt Holz

Mit nachaltigem Papier können wir Wälder und Klima schützen. Hier findest du die umweltfreundlichen Alternativen zu herkömmlichem Papier.

Holz, die Grundlage für unsere Papiere, Bücher, Karten und vieles mehr, verursacht ökologische Schäden und kann an sich nur schwer neu gedacht werden. Auch, weil die benötigten Zellstoffmengen nicht nachhaltig aus regionalen Naturwäldern entnommen werden können. Vielmehr gilt es, neue, sowie altbewährte Rohstoffe für die Papierproduktion und –nutzung in Betracht zu ziehen.

Für viele Papierprodukte bietet es sich an, Recyclingpapier zu nutzen. Doch auch recyceltes Papier bringt gewisse Schwierigkeiten, vor allem in der Herstellung, mit sich. Näheres dazu findest du hier. Auch FSC-zertifiziertes Papier wirst du in dieser Liste nicht finden. Warum FSC-Papier keinesfalls nachhaltig ist erfährst du hier.

Von Stein, Ton über die Papyrusstaude bis hin zu Tierhäuten wurden in der Vergangenheit schon verschiedenste Materialien als Beschreibstoff genutzt. Seit etwa 1400 gibt es in Deutschland Papiermühlen, wobei meist textile Fasern als Grundstoff für die Papierherstellung dienten.0

Wenn schon früher unterschiedliche Stoffe genutzt wurden, müsste das doch auch heute möglich sein?! Theoretisch braucht es zur Produktion von Papier nur Fasern, die zusammengefügt werden. Aus was diese Fasern sind, ist egal. Hauptsache, sie sind lang genug, damit das Papier möglichst beständig ist.

Die Alternativen

Der Klassiker

Papier lässt sich prima aus Fasern der Hanfpflanze fertigen. Der Deutsche Hanf Verband (DHV) geht davon aus, dass bis in die 1880er Jahre zwischen 75 und 90 Prozent des weltweit hergestellten Papiers aus Hanffasern bestand. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hanf allerdings in einem Preiskampf vom Holz als Rohstoff abgelöst. Die Öko-Vorteile? Die Pflanze ist einjährig und wächst daher wesentlich schneller als ein Baum. Zudem kann Hanf regional angebaut werden. Der DHV weist außerdem darauf hin, dass bei der Herstellung kaum Chemikalien gebraucht werden (das liegt daran, dass Hanf wenig Lignin enthält, das sind Holzbestandteile, die für die Verfärbung des Papiers verantwortlich sind). Und: Die Fasern können öfter recycelt werden.1

Fazit: Leider ist Hanfpapier heute nicht weit verbreitet und im Handel so gut wie unauffindbar. Das liegt vor allem an den komplizierten Bestimmungen bezüglich des Anbaus.

Die Regionalen

Graspapier ist im Kommen. Immer mehr Produzent:innen bieten Papier aus heimischem Gras für Druck und Verpackung an. In der Herstellung werden aus getrocknetem Gras Pellets und aus ebendiesen Papier. Das Papier ist recyclingfähig und vor allem für Verpackungen, aber auch Drucksachen mit hohen Grammaturen geeignet. Laut Hersteller kann das Graspapier im Vergleich zum Frischfaserpapier die Hälfte an CO2 einsparen, gegenüber Altpapier 30 Prozent.2

Neben der Regionalität und der guten Verfügbarkeit von Gras ist positiv zu bewerten, dass mit den Grasfasern neue, frische Fasern in den Papierkreislauf gelangen. Trotzdem ist die Herstellung von grafischem Papier mit 100% Gras noch nicht möglich- im Moment beträgt der Anteil der Grasfasern etwa 50 Prozent. Die anderen Fasern sind FSC-Mix zertifiziert (also aus Frischholzfasern). Dem Graspapier ist haptisch seine Naturnähe anzumerken- also nichts für Liebhaber:innen von weißem, glatten Papier, aber umso perfekter für eine nachhaltige Kommunikation.

Fazit: Graspapier ist gut verfügbar und geeignet für Kartonagen. Aber auch für alle anderen Interessierten gibt es Bürobedarf oder Werbematerialien aus Graspapier. Im Kostenvergleich: 500 Blatt Kopierpapier aus 30% Grasfasern kosten etwa 9 Euro, die gleiche Menge Recyclingpapier 2 Euro.

Update: Die Graspapier-Branche ist in Bewegung. Mittlerweile gibt es auch grafisches Papier mit recyceltem Anteil statt Frischfasern. Leider ist dieses Papier dann aber nicht mehr kompostierbar. Das hat mit den Rückständen im Recyclingpapier zu tun.

Ein weiteres regionales Papier ist Apfelpapier. Hier werden regionale Fasern aus den Resten der apfelverarbeitenden Industrie in Südtirol mit FSC-zertifizierter Zellulose gemischt. Bis auf einige wenige Einzelprojekte ist das Apfelpapier aber schwierig zu beschaffen

Das Modifizierte

Schon in den Anfängen der Schrift spielte Stein als Beschreibstoff eine Rolle. Dieser wird nun neu entdeckt- auf geniale Weise: Als Steinpapier, hergestellt aus Steinmehl. Wie einer der Hersteller angibt, wird bei der Produktion kein Wasser benötigt (Vergleich: 100 Blatt Frischfaserpapier benötigen etwa 26 Liter Wasser). Zudem könne so viel Energie bei der Produktion eingespart werden, wie ein vier-Personen-Haushalt im Jahr verbraucht (5.700 Kilowattstunden pro Tonne Material). Die Produktion läuft außerdem unter dem “Cradle-to-Cradle”-Konzept ab, das heißt, es entstehen keine Abfälle und nicht verwendeten Stoffe werden in den Produktionskreislauf zurückgeführt.3 Zudem werden keine Chemikalien benötigt, um das Papier herzustellen. Die herkömmliche Papierproduktion verursacht neben CO2 auch Schwefeldioxide, Methan, Phosphate und andere Deponie-Abfälle. Herkömmliche Papierhersteller entsorgen viele Tonnen Müll auf Mülldeponien, wo die organischen Abfälle verrotten und das Treibhausgas Methan bilden.4

Das Steinpapier wird aus 80 Prozent Kalksteinmehl hergestellt, das als Abfallprodukt in Steinbrüchen anfällt. Die restlichen 20 Prozent macht Bio-Kunststoff aus, der aus alten Plastikflaschen oder Zuckerrohrabfällen gewonnen werden kann. Nach der Benutzung kann das Papier recycelt werden: Unter Sonneneinstrahlung löst es sich zum Beispiel auf. Aber es kann auch giftfrei vollständig verbrannt werden.5 Dafür sollte es über den Gelben Sack oder die Restmülltonne entsorgt werden.

Das Steinpapier hat eine weitere Besonderheit: es ist reiß- und wasserfest und dabei gut beschreibbar. Es kann mit allen gängigen Druckverfahren bedruckt werden. Daher eignet sich das Papier besonders gut für Papierprodukte, die viel aushalten müssen- etwa Kinderbücher oder Landkarten.

Beim Preis musst du etwa das Doppelte im Vergleich zu hochwertigem Recyclingpapier einrechnen.6

Fazit: Für das Steinpapier spricht der umweltfreundliche Herstellungsprozess und die Verfügbarkeit des Rohstoffs. Leider gibt es bisher aber keine regional herstellenden Firmen. Leider wird das Papier in Asien gefertigt, was die Umweltbelastung durch den Transport erhöht.

Andere Stoffe

Ab und zu stößt man auf Papier aus anderen Pflanzenfasern, zum Beispiel Baumwolle. Obwohl Baumwolle innerhalb eines Jahres geerntet werden kann, ist der Anbau problematisch, da große Mengen Pestizide eingesetzt werden (so viel wie für kein anderes landwirtschaftliches Anbauprodukt) und die Pflanze viel Wasser benötigt. Beides schadet nicht nur der Natur, sondern auch den Menschen, die zu 99% in Entwicklungsländern leben.7  Doch auch hier gibt es eine umweltfreundliche Variante: Papier aus recycelten Stoffen der Textilindustrie.

Auch Papiere aus Bambus und Zuckerrohr oder gar Bananenfasern sind möglich, aber aufgrund der schwer überprüfbaren Anbauumstände vor Ort und des weiten Transportweges nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

Obwohl keines der Papiere DIE perfekte ökologische Lösung ist, unterstützt deren Kauf Alternativprojekte und nachhaltige Lösungen. Außerdem mindert eine Diversifizierung direkt den Druck auf die Wälder.

Werde Vorreiter:in und nutze ein ausgefallenes Papier für dein nächstes Projekt!


Bildnachweis: Photo by Markus Spiske on Unsplash

Fußnote 0: Nachzulesen in: Wittmann, Reinhard (2011): Geschichte des deutschen Buchhandels.

Die als Fußnoten gesetzten Links führen auf externe Seiten (Quelltexte). Haftung siehe Impressum.