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Digital lesen | Die Öko-Sichtweise

Der Verzicht auf Papier ist nicht immer nachhaltig. Können trotz Energiebedarf des Internets digitale Texte und Bücher umweltfreundlich genutzt werden?

Der digitale Wandel ersetzt Papier in vielen Bereichen. Im Allgemeinen ist es natürlich sinnvoll, den eigenen Papierkonsum zu reduzieren, etwa im Büro. Doch digitale Angebote sind nicht per se umweltfreundlich, weil Papier eingespart wird. Tatsächlich verursachen das Internet und die Industrie dahinter zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen- genauso viel wie der Flugverkehr.0

Der Lebensweg deiner Geräte

Die offensichtlichste Umweltauswirkung, wenn es um eine Ökobilanz von digitalen Angeboten geht, ist die benötigte Energie. Welche Faktoren noch eine Rolle spielen, lässt sich gut am Beispiel des Lebensweges eines E-Readers darstellen:

Um Angebote wie elektronische Bücher nutzen zu können, benötigen wir zunächst ein Endgerät. Die Herstellung desselben erfordert begrenzt vorhandene Rohstoffe, etwa die Metalle Gold, Silber, Palladium, Kobalt oder Kupfer.1 Deren Bergung führt nicht selten zu sozialen Konflikten in den Anbauländern. Hinzu kommen Emissionen durch die Produktion und die Transportwege.

Während der Nutzung benötigen wir Energie, um die Endgeräte zu laden. Bei der Entsorgung über Recyclinghöfe könnten die oben genannten Rohstoffe zwar zurückgewonnen werden, doch werden aktuell nur etwa 20 Prozent der Geräte fachgerecht entsorgt.2

Im Hintergrund

Sobald du das Internet nutzt, arbeiten im Hintergrund Rechenzentren und andere digitale Infrastrukturen, die beispielsweise für die Speicherung der Daten enorme Mengen Energie benötigen.

Laut eine Greenpeace Studie benötigt der IT-Sektor sieben Prozent der weltweiten Elektrizität, mit steigender Tendenz.3 Das Problem daran: Die Datenzentren werden bisher hauptsächlich mit Kohlestrom betrieben. Vor allem, weil im ostasiatischen Raum ein mangelnder Zugang zu Erneuerbaren Energien vorherrscht, der Großunternehmen wie Alibaba betrifft.4 

Zurück zum Beispiel des E-Readers: Amazon ist mit dem Kindle-Shop Marktführer im Bereich E-Books.5 Amazon.com wird von der Tochtergesellschaft Amazon Web Services (AWS) betrieben. AWS ist das weltweit größte Cloud-Unternehmen (Bereitsteller von Speicherplatz oder Rechenleistung), zeigt jedoch kaum Transparenz hinsichtlich seines Energieverbrauchs. Deswegen erhält das Unternehmen die Note C im Greenpeace-Ranking der Internetfirmen – mit einem Anteil von nur 17 Prozent regenerativen Energiequellen. 30 Prozent werden aus Kohle, 24 Prozent aus Gas und 26 Prozent der benötigten Energie gar aus Atomstrom bezogen.6

Solltest du also eher digitale oder gedruckte Produkte nutzen? Die Druckerei Ulenspiegel hat dazu einen Eigenversuch gestartet und die CO2-Emissionen ihres gedruckten Newsletters ausgerechnet. Von diesem werden 1500 Exemplare mit regenerativer Energie auf Recyclingpapier hergestellt. Der digitale Versand hätte nur dann CO2 Emissionen eingespart, wenn er einmalig über ein Smartphone geöffnet worden wäre. Andernfalls verursacht die Printversion weniger Emissionen.7

Tendenziell kann die Digitalisierung aber dazu beitragen, den Energiebrauch und den Ressourceneinsatz zu verringern, da ist sich beispielsweise das Borderstep Institut sicher.8 Als konkreten Schritt sieht die Forschungseinrichtung etwa die Nutzung von Abwärme innerhalb der Rechenzentren für die Wärmeerzeugung.9

Konkrete Tipps

Du möchtest Papier sparen und deswegen lieber elektronische Bücher lesen? Das Öko-Institut Freiburg geht davon aus, dass 30 bis 50 E-Books mit einem Lesegerät gelesen werden müssten, damit es im Vergleich zu gedruckten Büchern ökologisch sinnvoller ist.10 Aktuelle Marktanalysen gehen von einem Mittelwert von fünf gekauften E-Books pro Jahr aus. Ein E-Reader würde sich demnach nach sechs bis zehn Jahren aus ökologischer Perspektive “rechnen”.

Dies gilt allerdings nur für die Downloads auf ein Gerät. Nutzt du Plattformen mit Cloud-Angeboten könntest du nachfragen, welche Energie für die internen Rechenzentren genutzt wird. Denn eine Versorgung aus regenerativen Quellen ist möglich. Einige grüne Unternehmen bieten etwa IT-Infrastrukturen mit lokal erzeugter und gespeicherter Windenergie. 

Ähnlich haben sich bereits einige Online-Shops etabliert, die elektronische und gedruckte Bücher verkaufen und Öko-Strom nutzen oder Gewinnanteile für gemeinnützige Zwecke spenden. 

Du bist selbst Unternehmer:in? Dann frag doch mal bei deinem Hoster nach, welche Energie für die Rechenzentren verwendet wird. Außerdem kann es sinnvoll sein, die eigene Kommunikation zu hinterfragen. Mails oder Suchanfragen lassen sich zum Beispiel häufig durch einen kurzen Anruf ersetzen.

Oder erarbeite gleich deine eigene Nachhaltigkeits-Strategie.

NACHHALTIGKEIT PLANEN


Bildnachweis: Photo by Aaron Burden on Unsplash

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